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Anaerobe Fermentierung: Wie Bokashi ohne Sauerstoff funktioniert

Was hinter dem sauerstofffreien Abbau steckt, warum Bokashi anders arbeitet als ein Komposthaufen und worauf es im Kücheneimer praktisch ankommt.

Von Veröffentlicht am 9 Min. Lesezeit

Geschlossener Bokashi-Eimer mit Deckel auf einer Küchenarbeitsplatte, daneben ein Sieb mit klein geschnittenen Küchenabfällen
Im geschlossenen Bokashi-Eimer arbeiten Milchsäurebakterien ohne Sauerstoff. Der dichte Deckel ist dafür die wichtigste Voraussetzung.

Kurz gesagt

Anaerobe Fermentierung bedeutet, dass Mikroorganismen organisches Material ohne Sauerstoff umbauen – bei Bokashi sind das vor allem Milchsäurebakterien. Weil der Eimer dicht schließt und die Abfälle gepresst werden, entsteht ein saures Milieu, in dem Fäulnisorganismen kaum Chancen haben. Das Ergebnis ist kein fertiger Kompost, sondern fermentiertes Material, das anschließend weiterverarbeitet wird.

  • Anaerobe Fermentierung ist der mikrobielle Umbau organischer Stoffe ohne Sauerstoff; im Bokashi entsteht dabei Milchsäure.
  • Bokashi ist kein Kompost: Der Eimer arbeitet sauerstoffarm, ein Komposthaufen dagegen ist auf Sauerstoff angewiesen.
  • Dichter Deckel, gepresste Schichten und ein Fermentationsstarter halten Sauerstoff und Fäulnisorganismen fern.
  • Die abgetropfte Flüssigkeit ist ein organischer Flüssigdünger und wird stark verdünnt angewendet.
  • Fauliger Geruch oder flächiger Schimmel zeigen, dass Sauerstoff ins Gärgut gelangt ist und die Charge kippt.

Was ist anaerobe Fermentierung?

Anaerobe Fermentierung ist die Umwandlung organischer Stoffe durch Mikroorganismen unter Ausschluss von Sauerstoff. Statt zu verrotten, wird das Material von Bakterien und Hefen umgebaut – bei der Milchsäuregärung entsteht dabei Milchsäure, die das Milieu ansäuert und unerwünschte Keime zurückdrängt.

Der Begriff geht auf das lateinische fermentum zurück, was Gärung bedeutet. Wie das Öko-Test in seinem Überblick zur Lebensmittelfermentation schreibt, ist die Gärung streng genommen eine Reaktion unter Ausschluss von Luft, verläuft also anaerob. Die Milchsäuregärung, die etwa bei Sauerkraut abläuft, findet demnach immer unter Luftausschluss statt. Gelangen Mikroorganismen aus der Luft ins Gärgut, spricht man von spontaner Fermentation; werden Gärbakterien gezielt zugesetzt, von einer gesteuerten Fermentation – dieser Fall trifft auf Bokashi zu, bei dem ein Starter mit Milchsäurebakterien zugegeben wird.

Werte nach Öko-Test: Fermentationsart, Milieu und Haltbarkeit bei Lebensmitteln (keine Bokashi-spezifischen Angaben)
FermentationsartMilieuBeispiel im ArtikelHaltbarkeit im Artikel
Milchsäuregärungunter Ausschluss von Luft, also anaerobSauerkrautnicht mit Zeitangabe genannt
Milchsäuregärung bei SalzgurkenanaerobSalzgurken werden mehrere Wochen von Milchsäurebakterien vergorenVergärung über mehrere Wochen
Joghurt, Kefir, KäseFermentation durch Bakterien und HefenRohmilch verdirbt nach wenigen Tagen, verarbeitet hält sie längerwochen- bis monatelang haltbar
SalamiFermentation von Fleischrohes Fleisch muss innerhalb weniger Tage verbraucht werdenals Salami monatelang haltbar
Essig und Metmit Sauerstoffzutrittbei Met oder Essig gelangt Sauerstoff in den Fermentmixnicht mit Zeitangabe genannt

Wo läuft die Fermentierung anaerob ab, wo nicht?

Der entscheidende Unterschied liegt beim Sauerstoff. Anaerobe Prozesse laufen in geschlossenen Behältern ab, aerobe brauchen Luft. Für die Küche heißt das: Ein Bokashi-Eimer arbeitet sauerstoffarm und bleibt deshalb geruchsarm, während ein offener Komposthaufen Sauerstoff benötigt und im Wohnraum schnell zum Problem wird. Welche Systeme sich für drinnen eignen, lesen Sie im Vergleich zum Kompostieren in der Wohnung.

  • Anaerob: Milchsäuregärung bei Sauerkraut und Salzgurken, Gärung in Biogasanlagen, Fermentation im Bokashi-Eimer.
  • Aerob: klassische Heißrotte auf dem Komposthaufen, Essigherstellung, viele Prozesse rund um Met.
  • Entscheidend ist der Behälter: Ein dichter Deckel verhindert den Luftaustausch, ein offenes Gefäß erlaubt ihn.
  • Geruch als Indikator: Sauerstoffarme Fermentation riecht säuerlich, aerobe Fäulnis riecht faulig.

Warum ist Bokashi anaerob?

Bokashi arbeitet anaerob, weil die beteiligten Milchsäurebakterien ohne Sauerstoff am besten arbeiten und dabei Säure bilden, die Fäulniskeime unterdrückt. Ein geschlossener Eimer schafft genau dieses Milieu – und verhindert gleichzeitig, dass Gerüche und Insekten in die Küche gelangen.

Praktisch entsteht die Sauerstoffarmut durch mehrere Maßnahmen zusammen: einen dicht schließenden Deckel, das Pressen der Abfälle, damit keine Luftpolster entstehen, und eine eher feuchte Konsistenz, die den Gärprozess begünstigt. Der Fermentationsstarter – meist Effektive Mikroorganismen auf Kleie- oder Faserbasis – bringt die nötigen Bakterien mit und beschleunigt den Start. In der Praxis bewährt hat sich außerdem, den Eimer nicht randvoll zu füllen, damit sich der Deckel noch sauber schließen lässt. Eine Übersicht über passende Eimer und Starter finden Sie unter EM & Bokashi-Zubehör.

Wie läuft die anaerobe Fermentierung im Bokashi-Eimer ab?

Sie sammeln Küchenabfälle in dünnen Schichten, mischen sie mit einem Fermentationsstarter und halten den Eimer anschließend geschlossen. Die Bakterien bauen das Material um, die Flüssigkeit tropft nach unten ab und wird regelmäßig abgelassen.

So gehen Sie beim Befüllen vor

  1. Eimer vorbereiten

    Unten im Eimer sorgt ein Sieb oder Abtropfgitter dafür, dass Flüssigkeit vom Gärgut getrennt bleibt. Wie Sie einen Eimer selbst bauen, zeigt die Anleitung zum Bokashi-Eimer selber bauen.

  2. Abfälle klein schneiden

    Je kleiner die Stücke, desto mehr Oberfläche steht den Bakterien zur Verfügung. Grobe Stücke, harte Schalen und Strünke verlängern die Fermentation in der Regel deutlich.

  3. In Schichten einfüllen und Starter zugeben

    Geben Sie eine Lage Abfälle hinein und streuen Sie den Fermentationsstarter darüber. Dosierung und Aktivierung richten sich nach den Herstellerangaben; wie Sie EM aktivieren, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung.

  4. Fest pressen und verschließen

    Drücken Sie die Schicht flach an, damit möglichst wenig Luft eingeschlossen wird, und schließen Sie den Deckel sofort. Über Nacht sammelt sich die erste Flüssigkeit am Boden.

  5. Flüssigkeit regelmäßig ablassen

    Lassen Sie den Bokashi-Saft alle paar Tage über das Ventil oder den Ablasshahn ab. Er wird verdünnt als Dünger verwendet, Details zur Dosierung stehen unter Flüssigdünger richtig anwenden.

  6. Vollen Eimer ruhen lassen

    Ist der Eimer voll, bleibt er verschlossen stehen, damit die Fermentation abschließen kann. Danach wird das Material – je nach Wohnsituation – weiterverarbeitet. Eine vollständige Anleitung finden Sie im Ratgeber Bokashi-Anleitung.

Welche Aufgabe haben die Milchsäurebakterien?

Milchsäurebakterien sind die eigentlichen Akteure der anaeroben Fermentierung. Sie wandeln Zucker und andere leicht verfügbare Verbindungen in Milchsäure um und senken damit den pH-Wert im Gemisch. Diese Verschiebung ins Saure ist der Grund, warum eine Bokashi-Charge säuerlich riecht und nicht faulig: Fäulnisorganismen, die Sauerstoff bevorzugen, finden im sauren Milieu deutlich schlechtere Bedingungen. Für den Hausgebrauch reicht es, diese Grundmechanik zu kennen – eine pH-Messung ist nicht nötig.

Was passiert, wenn Sauerstoff ins Gärgut gelangt?

Dringt Luft ein, geraten die Milchsäurebakterien ins Hintertreffen und andere Organismen übernehmen. Das Milieu kippt, es entstehen Fäulnisgerüche, und auf der Oberfläche kann sich Schimmel ausbreiten.

  • Säuerlicher Geruch: ein Zeichen dafür, dass die Fermentation wie vorgesehen läuft.
  • Fauliger oder gäriger Gestank: deutet auf Sauerstoffzutritt und Fäulnis hin – was hinter solchen Gerüchen steckt, erklärt der Beitrag zum Kompostgeruch.
  • Einzelne weiße Flecken: in der Regel harmlos, solange das Material darunter sauer riecht.
  • Flächiger, pelziger Schimmel in Grün, Grau oder Schwarz: ein Warnsignal, die Charge ist meist nicht mehr zu retten.
  • Schimmel an der Oberfläche: betroffene Stellen vollständig entfernen und den Eimer gründlich reinigen.

Welche Fehler sollten Sie bei der anaeroben Fermentierung vermeiden?

Die häufigsten Probleme entstehen durch zu viel Luft, zu viel Flüssigkeit und zu große Abfallstücke. Wer diese drei Punkte im Griff hat, bekommt in der Regel eine sauber arbeitende Charge.

Typische Fehler im Bokashi-Eimer und bewährte Gegenmaßnahmen (Kriterientabelle ohne Messwerte)
ThemaHäufiger FehlerBewährte Praxis
VerschlussDeckel nur lose auflegen oder Eimer offen stehen lassenDeckel nach jeder Entnahme sofort dicht schließen
SchichtaufbauAbfälle lose einfüllen, sodass Luftpolster entstehenSchichtweise einfüllen und jedes Mal flach andrücken
FeuchtigkeitNasse Speisereste ohne Ausgleich einfüllenFeuchte Abfälle mit trockenem Strukturmaterial abwechseln
ZerkleinerungGroße Stücke, harte Schalen und ganze StrünkeVor dem Einfüllen klein schneiden
FlüssigkeitBokashi-Saft wochenlang im Eimer stehen lassenRegelmäßig ablaufen lassen und verdünnt verwenden
StarterFermentationsstarter unregelmäßig oder gar nicht zugebenNach Herstellerangabe dosieren und gleichmäßig verteilen

Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: Die Temperatur beeinflusst den Verlauf. Bei warmer Umgebungstemperatur läuft die Fermentation meist zügiger ab als in einem kühlen Abstellraum. Eine pauschale Dauer lässt sich deshalb nicht nennen – sie hängt von Temperatur, Zerkleinerung und Feuchte ab. Entscheidend ist weniger die Uhr als der Zustand des Materials.

Wie passt anaerobe Fermentierung in eine kleine Stadtwohnung?

Sie passt gut, weil der Eimer dicht schließt, kaum Platz braucht und keine Erde erfordert. Anders als ein offener Kompostbehälter verursacht ein geschlossenes Bokashi-System im Wohnraum normalerweise keine Geruchsbelästigung – vorausgesetzt, die Abfälle werden gepresst und die Flüssigkeit abgelassen.

Für die Küchenpraxis hilft es, das Sammeln zu trennen: ein kleiner Behälter für den Tagesanfall, der Bokashi-Eimer als Fermentationsgefäß. Worauf es bei der Hygiene ankommt, bündelt die Checkliste für hygienisches Sammeln. Wer die fermentierten Abfälle nicht im eigenen Umfeld weiterverarbeiten kann, sollte vorab klären, ob Nachbarn, ein Gemeinschaftsgarten oder eine andere Stelle das Material übernimmt. Einen Überblick über Systeme und Zubehör gibt die Themenwelt Küchenkompost & Bioabfall.

Vorteile

  • Arbeitet geruchsarm, weil der Eimer dicht schließt und sauer fermentiert
  • Braucht wenig Platz und kommt ohne Garten aus
  • Die abgetropfte Flüssigkeit lässt sich als organischer Dünger nutzen
  • Küchenabfälle landen nicht im Restmüll, sondern werden verwertet

Nachteile

  • Ein Fermentationsstarter muss regelmäßig nachgekauft werden
  • Die Flüssigkeit muss abgelassen werden, sonst kippt die Charge
  • Das Endprodukt ist kein fertiger Kompost und muss weiterverarbeitet werden
  • In sehr kleinen Wohnungen fehlt oft ein kühler, gut belüfteter Standort

Wer tiefer in die Praxis einsteigen möchte, findet die vollständige Schrittfolge im Ratgeber Bokashi-Anleitung und einen Überblick über passende Starter und Eimer in der Themenwelt Bokashi-Kompostierung. Für die spätere Verwendung der Flüssigkeit lohnt zusätzlich ein Blick auf Flüssigdünger oder Festdünger.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sauerstoff konsequent fernhalten

    Dichter Deckel, gepresste Schichten und zügiges Arbeiten halten das Milieu sauerstoffarm und stabil.

  • Wenig Platz nötig

    Ein geschlossener Eimer passt in eine Nische oder unter die Spüle und braucht keine Erde.

  • Flüssigdünger gewinnen

    Der abgetropfte Bokashi-Saft lässt sich verdünnt als organischer Flüssigdünger verwenden.

  • Geruchsarm sammeln

    Sauer fermentiertes Material riecht säuerlich statt faulig – wichtig in kleinen Wohnungen.

Häufige Fragen

Was ist anaerobe Fermentierung?

Anaerobe Fermentierung ist der Umbau organischer Stoffe durch Mikroorganismen ohne Sauerstoff. Bei der Milchsäuregärung entsteht dabei Milchsäure, die das Milieu ansäuert und Fäulnisorganismen zurückdrängt. Im Bokashi sorgen ein dichter Deckel und ein Fermentationsstarter dafür, dass dieser Prozess gezielt in Gang kommt.

Warum ist Bokashi anaerob?

Weil die beteiligten Milchsäurebakterien ohne Sauerstoff am besten arbeiten und dabei Säure bilden. Ein geschlossener Eimer schafft dieses Milieu und verhindert zugleich, dass Gerüche und Insekten in die Küche gelangen. Beim Öffnen gelangt zwar Luft hinein, entscheidend ist aber, dass keine Luftpolster im Material bleiben.

Ist Bokashi dasselbe wie Kompost?

Nein. Ein Komposthaufen ist ein aerober Prozess und braucht Sauerstoff, Bokashi arbeitet dagegen ohne Sauerstoff und fermentiert die Abfälle. Das Ergebnis im Eimer ist kein fertiger Kompost, sondern fermentiertes Material, das anschließend weiterverarbeitet wird.

Woran erkenne ich, dass die Fermentierung nicht funktioniert?

Deutliches Warnsignal ist ein fauliger Geruch beim Öffnen des Eimers. Auch flächiger, pelziger Schimmel in Grün, Grau oder Schwarz zeigt, dass Sauerstoff ins Gärgut gelangt ist. Einzelne weiße Flecken sind dagegen meist harmlos, solange das Material darunter sauer riecht.

Wie lange dauert die anaerobe Fermentierung im Bokashi-Eimer?

Eine pauschale Dauer lässt sich nicht nennen, weil Temperatur, Zerkleinerung und Feuchte den Verlauf beeinflussen. Als Faustregel gilt: Der Eimer ist fertig, wenn das Material durchgehend fermentiert riecht und sich der Zustand nicht mehr verändert. Herstellerangaben zum jeweiligen System sind hier die bessere Orientierung als allgemeine Zeitwerte.

Brauche ich für Bokashi einen Garten?

Nein, für die Fermentation selbst nicht – der Eimer steht in der Küche oder im Abstellraum. Geklärt werden sollte jedoch vorab, wohin das fermentierte Material nach dem Befüllen geht, etwa zu Nachbarn, in einen Gemeinschaftsgarten oder in eine andere Verwertungsmöglichkeit.

Quellen

  1. Anaerobe Fermentation – Forschungs- und Demonstrationsplattform, Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ), abgerufen am
  2. Lebensmittel fermentieren: So machen Sie Kraut, Gurken & Co. lange haltbar, Öko-Test, abgerufen am

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Die Redaktion von BokashiKueche bereitet Wissen rund um Bokashi-Kompostierung für kleine Küchen und Stadtwohnungen, Bokashi-Eimer & Starter-Sets, Bokashi-Zubehör & EM verständlich auf.

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