
Bokashi-Kompostierung
Bokashi-Anleitung: So stellen Sie Dünger im Eimer her
Schicht für Schicht fermentieren: wie Sie den Eimer geruchsarm füllen, Sickersaft sinnvoll nutzen und den vollen Eimer auch ohne Garten weiterverarbeiten.
Was hinter dem sauerstofffreien Abbau steckt, warum Bokashi anders arbeitet als ein Komposthaufen und worauf es im Kücheneimer praktisch ankommt.

Kurz gesagt
Anaerobe Fermentierung bedeutet, dass Mikroorganismen organisches Material ohne Sauerstoff umbauen – bei Bokashi sind das vor allem Milchsäurebakterien. Weil der Eimer dicht schließt und die Abfälle gepresst werden, entsteht ein saures Milieu, in dem Fäulnisorganismen kaum Chancen haben. Das Ergebnis ist kein fertiger Kompost, sondern fermentiertes Material, das anschließend weiterverarbeitet wird.
Anaerobe Fermentierung ist die Umwandlung organischer Stoffe durch Mikroorganismen unter Ausschluss von Sauerstoff. Statt zu verrotten, wird das Material von Bakterien und Hefen umgebaut – bei der Milchsäuregärung entsteht dabei Milchsäure, die das Milieu ansäuert und unerwünschte Keime zurückdrängt.
Der Begriff geht auf das lateinische fermentum zurück, was Gärung bedeutet. Wie das Öko-Test in seinem Überblick zur Lebensmittelfermentation schreibt, ist die Gärung streng genommen eine Reaktion unter Ausschluss von Luft, verläuft also anaerob. Die Milchsäuregärung, die etwa bei Sauerkraut abläuft, findet demnach immer unter Luftausschluss statt. Gelangen Mikroorganismen aus der Luft ins Gärgut, spricht man von spontaner Fermentation; werden Gärbakterien gezielt zugesetzt, von einer gesteuerten Fermentation – dieser Fall trifft auf Bokashi zu, bei dem ein Starter mit Milchsäurebakterien zugegeben wird.
| Fermentationsart | Milieu | Beispiel im Artikel | Haltbarkeit im Artikel |
|---|---|---|---|
| Milchsäuregärung | unter Ausschluss von Luft, also anaerob | Sauerkraut | nicht mit Zeitangabe genannt |
| Milchsäuregärung bei Salzgurken | anaerob | Salzgurken werden mehrere Wochen von Milchsäurebakterien vergoren | Vergärung über mehrere Wochen |
| Joghurt, Kefir, Käse | Fermentation durch Bakterien und Hefen | Rohmilch verdirbt nach wenigen Tagen, verarbeitet hält sie länger | wochen- bis monatelang haltbar |
| Salami | Fermentation von Fleisch | rohes Fleisch muss innerhalb weniger Tage verbraucht werden | als Salami monatelang haltbar |
| Essig und Met | mit Sauerstoffzutritt | bei Met oder Essig gelangt Sauerstoff in den Fermentmix | nicht mit Zeitangabe genannt |
Der entscheidende Unterschied liegt beim Sauerstoff. Anaerobe Prozesse laufen in geschlossenen Behältern ab, aerobe brauchen Luft. Für die Küche heißt das: Ein Bokashi-Eimer arbeitet sauerstoffarm und bleibt deshalb geruchsarm, während ein offener Komposthaufen Sauerstoff benötigt und im Wohnraum schnell zum Problem wird. Welche Systeme sich für drinnen eignen, lesen Sie im Vergleich zum Kompostieren in der Wohnung.
Bokashi arbeitet anaerob, weil die beteiligten Milchsäurebakterien ohne Sauerstoff am besten arbeiten und dabei Säure bilden, die Fäulniskeime unterdrückt. Ein geschlossener Eimer schafft genau dieses Milieu – und verhindert gleichzeitig, dass Gerüche und Insekten in die Küche gelangen.
Praktisch entsteht die Sauerstoffarmut durch mehrere Maßnahmen zusammen: einen dicht schließenden Deckel, das Pressen der Abfälle, damit keine Luftpolster entstehen, und eine eher feuchte Konsistenz, die den Gärprozess begünstigt. Der Fermentationsstarter – meist Effektive Mikroorganismen auf Kleie- oder Faserbasis – bringt die nötigen Bakterien mit und beschleunigt den Start. In der Praxis bewährt hat sich außerdem, den Eimer nicht randvoll zu füllen, damit sich der Deckel noch sauber schließen lässt. Eine Übersicht über passende Eimer und Starter finden Sie unter EM & Bokashi-Zubehör.
Sie sammeln Küchenabfälle in dünnen Schichten, mischen sie mit einem Fermentationsstarter und halten den Eimer anschließend geschlossen. Die Bakterien bauen das Material um, die Flüssigkeit tropft nach unten ab und wird regelmäßig abgelassen.
So gehen Sie beim Befüllen vor
Eimer vorbereiten
Unten im Eimer sorgt ein Sieb oder Abtropfgitter dafür, dass Flüssigkeit vom Gärgut getrennt bleibt. Wie Sie einen Eimer selbst bauen, zeigt die Anleitung zum Bokashi-Eimer selber bauen.
Abfälle klein schneiden
Je kleiner die Stücke, desto mehr Oberfläche steht den Bakterien zur Verfügung. Grobe Stücke, harte Schalen und Strünke verlängern die Fermentation in der Regel deutlich.
In Schichten einfüllen und Starter zugeben
Geben Sie eine Lage Abfälle hinein und streuen Sie den Fermentationsstarter darüber. Dosierung und Aktivierung richten sich nach den Herstellerangaben; wie Sie EM aktivieren, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Fest pressen und verschließen
Drücken Sie die Schicht flach an, damit möglichst wenig Luft eingeschlossen wird, und schließen Sie den Deckel sofort. Über Nacht sammelt sich die erste Flüssigkeit am Boden.
Flüssigkeit regelmäßig ablassen
Lassen Sie den Bokashi-Saft alle paar Tage über das Ventil oder den Ablasshahn ab. Er wird verdünnt als Dünger verwendet, Details zur Dosierung stehen unter Flüssigdünger richtig anwenden.
Vollen Eimer ruhen lassen
Ist der Eimer voll, bleibt er verschlossen stehen, damit die Fermentation abschließen kann. Danach wird das Material – je nach Wohnsituation – weiterverarbeitet. Eine vollständige Anleitung finden Sie im Ratgeber Bokashi-Anleitung.
Milchsäurebakterien sind die eigentlichen Akteure der anaeroben Fermentierung. Sie wandeln Zucker und andere leicht verfügbare Verbindungen in Milchsäure um und senken damit den pH-Wert im Gemisch. Diese Verschiebung ins Saure ist der Grund, warum eine Bokashi-Charge säuerlich riecht und nicht faulig: Fäulnisorganismen, die Sauerstoff bevorzugen, finden im sauren Milieu deutlich schlechtere Bedingungen. Für den Hausgebrauch reicht es, diese Grundmechanik zu kennen – eine pH-Messung ist nicht nötig.
Dringt Luft ein, geraten die Milchsäurebakterien ins Hintertreffen und andere Organismen übernehmen. Das Milieu kippt, es entstehen Fäulnisgerüche, und auf der Oberfläche kann sich Schimmel ausbreiten.
Die häufigsten Probleme entstehen durch zu viel Luft, zu viel Flüssigkeit und zu große Abfallstücke. Wer diese drei Punkte im Griff hat, bekommt in der Regel eine sauber arbeitende Charge.
| Thema | Häufiger Fehler | Bewährte Praxis |
|---|---|---|
| Verschluss | Deckel nur lose auflegen oder Eimer offen stehen lassen | Deckel nach jeder Entnahme sofort dicht schließen |
| Schichtaufbau | Abfälle lose einfüllen, sodass Luftpolster entstehen | Schichtweise einfüllen und jedes Mal flach andrücken |
| Feuchtigkeit | Nasse Speisereste ohne Ausgleich einfüllen | Feuchte Abfälle mit trockenem Strukturmaterial abwechseln |
| Zerkleinerung | Große Stücke, harte Schalen und ganze Strünke | Vor dem Einfüllen klein schneiden |
| Flüssigkeit | Bokashi-Saft wochenlang im Eimer stehen lassen | Regelmäßig ablaufen lassen und verdünnt verwenden |
| Starter | Fermentationsstarter unregelmäßig oder gar nicht zugeben | Nach Herstellerangabe dosieren und gleichmäßig verteilen |
Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: Die Temperatur beeinflusst den Verlauf. Bei warmer Umgebungstemperatur läuft die Fermentation meist zügiger ab als in einem kühlen Abstellraum. Eine pauschale Dauer lässt sich deshalb nicht nennen – sie hängt von Temperatur, Zerkleinerung und Feuchte ab. Entscheidend ist weniger die Uhr als der Zustand des Materials.
Sie passt gut, weil der Eimer dicht schließt, kaum Platz braucht und keine Erde erfordert. Anders als ein offener Kompostbehälter verursacht ein geschlossenes Bokashi-System im Wohnraum normalerweise keine Geruchsbelästigung – vorausgesetzt, die Abfälle werden gepresst und die Flüssigkeit abgelassen.
Für die Küchenpraxis hilft es, das Sammeln zu trennen: ein kleiner Behälter für den Tagesanfall, der Bokashi-Eimer als Fermentationsgefäß. Worauf es bei der Hygiene ankommt, bündelt die Checkliste für hygienisches Sammeln. Wer die fermentierten Abfälle nicht im eigenen Umfeld weiterverarbeiten kann, sollte vorab klären, ob Nachbarn, ein Gemeinschaftsgarten oder eine andere Stelle das Material übernimmt. Einen Überblick über Systeme und Zubehör gibt die Themenwelt Küchenkompost & Bioabfall.
Vorteile
Nachteile
Wer tiefer in die Praxis einsteigen möchte, findet die vollständige Schrittfolge im Ratgeber Bokashi-Anleitung und einen Überblick über passende Starter und Eimer in der Themenwelt Bokashi-Kompostierung. Für die spätere Verwendung der Flüssigkeit lohnt zusätzlich ein Blick auf Flüssigdünger oder Festdünger.
Dichter Deckel, gepresste Schichten und zügiges Arbeiten halten das Milieu sauerstoffarm und stabil.
Ein geschlossener Eimer passt in eine Nische oder unter die Spüle und braucht keine Erde.
Der abgetropfte Bokashi-Saft lässt sich verdünnt als organischer Flüssigdünger verwenden.
Sauer fermentiertes Material riecht säuerlich statt faulig – wichtig in kleinen Wohnungen.
Anaerobe Fermentierung ist der Umbau organischer Stoffe durch Mikroorganismen ohne Sauerstoff. Bei der Milchsäuregärung entsteht dabei Milchsäure, die das Milieu ansäuert und Fäulnisorganismen zurückdrängt. Im Bokashi sorgen ein dichter Deckel und ein Fermentationsstarter dafür, dass dieser Prozess gezielt in Gang kommt.
Weil die beteiligten Milchsäurebakterien ohne Sauerstoff am besten arbeiten und dabei Säure bilden. Ein geschlossener Eimer schafft dieses Milieu und verhindert zugleich, dass Gerüche und Insekten in die Küche gelangen. Beim Öffnen gelangt zwar Luft hinein, entscheidend ist aber, dass keine Luftpolster im Material bleiben.
Nein. Ein Komposthaufen ist ein aerober Prozess und braucht Sauerstoff, Bokashi arbeitet dagegen ohne Sauerstoff und fermentiert die Abfälle. Das Ergebnis im Eimer ist kein fertiger Kompost, sondern fermentiertes Material, das anschließend weiterverarbeitet wird.
Deutliches Warnsignal ist ein fauliger Geruch beim Öffnen des Eimers. Auch flächiger, pelziger Schimmel in Grün, Grau oder Schwarz zeigt, dass Sauerstoff ins Gärgut gelangt ist. Einzelne weiße Flecken sind dagegen meist harmlos, solange das Material darunter sauer riecht.
Eine pauschale Dauer lässt sich nicht nennen, weil Temperatur, Zerkleinerung und Feuchte den Verlauf beeinflussen. Als Faustregel gilt: Der Eimer ist fertig, wenn das Material durchgehend fermentiert riecht und sich der Zustand nicht mehr verändert. Herstellerangaben zum jeweiligen System sind hier die bessere Orientierung als allgemeine Zeitwerte.
Nein, für die Fermentation selbst nicht – der Eimer steht in der Küche oder im Abstellraum. Geklärt werden sollte jedoch vorab, wohin das fermentierte Material nach dem Befüllen geht, etwa zu Nachbarn, in einen Gemeinschaftsgarten oder in eine andere Verwertungsmöglichkeit.
Redaktionsteam
Die Redaktion von BokashiKueche bereitet Wissen rund um Bokashi-Kompostierung für kleine Küchen und Stadtwohnungen, Bokashi-Eimer & Starter-Sets, Bokashi-Zubehör & EM verständlich auf.
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