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Organischer Flüssigdünger: Herkunft, Wirkung und richtige Anwendung

Was pflanzliche und fermentierte Flüssigdünger von Mineraldünger unterscheidet und wie Sie den Saft aus dem Bokashi-Eimer ohne Schaden einsetzen.

Von Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Organischer Flüssigdünger ist eine flüssige Pflanzennahrung, deren Nährstoffe überwiegend aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen stammen, etwa aus Fermentationsprozessen wie Bokashi. Er wirkt meist langsamer und milder als Mineraldünger und wird stark verdünnt über das Gießwasser gegeben. Die genaue Dosierung hängt vom Ausgangsmaterial ab, deshalb gilt die Herstellerangabe vor jeder Faustregel.

  • Organische Flüssigdünger liefern Nährstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen, nicht aus aufgeschlossenen Mineralsalzen.
  • Nährstoffgehalt und Zusammensetzung schwanken je nach Ausgangsmaterial stark, eine einheitliche Dosierung gibt es deshalb nicht.
  • Bokashi-Saft ist ein solcher Flüssigdünger: Er entsteht beim Fermentieren von Küchenabfällen und wird stark verdünnt ausgebracht.
  • Unverdünnt kann die Flüssigkeit Wurzeln schädigen, deshalb immer erst mit Wasser strecken.
  • Für empfindliche Zimmerpflanzen ist zurückhaltendes Düngen im Wachstum sinnvoller als eine kräftige Gabe im Winter.

Was organischer Flüssigdünger ist

Organischer Flüssigdünger ist eine flüssig ausgebrachte Pflanzennahrung, deren Nährstoffe überwiegend aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen stammen. Typische Grundlagen sind Pflanzenjauchen, Vergärungsprodukte, Extrakte aus Kompost oder eben der Saft, der sich beim Fermentieren von Küchenabfällen im Bokashi-Eimer sammelt. Entscheidend ist die Herkunft der Nährstoffe, nicht die Flüssigkeit an sich: Auch ein Mineralkonzentrat ist flüssig, zählt aber nicht dazu.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Verfügbarkeit. Mineraldünger stellt Nährstoffe als gelöste Salze bereit, die Pflanzen unmittelbar aufnehmen können. Organische Flüssigdünger enthalten dagegen einen Teil der Nährstoffe in gebundener Form; sie werden erst nach und nach umgesetzt. Das macht die Wirkung milder und länger anhaltend, aber auch schwerer kalkulierbar. Die Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt diese Nährstofffreisetzung als zentralen Punkt der organischen Düngung.

Woraus solche Dünger bestehen

  • Fermentationsprodukte: Flüssigkeit aus der anaeroben Vergärung von Küchen- und Gartenabfällen, wie sie beim Bokashi anfällt.
  • Pflanzenjauchen und -extrakte: Aus Brennnessel, Beinwell oder Kompost ausgelaugte Flüssigdünger mit geringer, schwankender Nährstoffkonzentration.
  • Kompost- und Wurmtee: Sickerwasser aus Kompost oder Wurmfarm, das verdünnt als Pflanzennahrung dient.
  • Handelsübliche Bio-Flüssigdünger: Meist aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt, mit deklarierter Nährstoffangabe auf der Packung.

Bokashi-Saft als organischer Flüssigdünger

In der Wohnung ist der Bokashi-Eimer die naheliegende Quelle. Beim Fermentieren mit Milchsäurebakterien sammelt sich am Eimerboden eine dunkle, sauer riechende Flüssigkeit. Sie ist kein Abfall, sondern ein organischer Dünger, dessen Nährstoffgehalt je nach gefüllten Küchenabfällen schwankt. Wie das System funktioniert, erklärt die Themenwelt zur Bokashi-Kompostierung; eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im Ratgeber Bokashi-Anleitung.

Kriterien für die Anwendung von selbst gewonnenem Bokashi-Flüssigdünger (Kriterientabelle ohne feste Mengenangaben)
AnwendungDosierungWorauf achten
Zimmerpflanzen im Wachstumstark verdünnt über das GießwasserDie Angabe des Eimersystems hat Vorrang vor jeder Faustregel.
Pflanzen im Winterquartierseltener und schwächer dosiertBei wenig Licht wachsen Pflanzen kaum und brauchen kaum Nährstoffe.
Kübel- und Balkonpflanzen im Sommerin der Gießwassermenge verdünntNicht auf trockene Erde gießen, sonst können feine Wurzeln geschädigt werden.
Sämlinge, frisch umgetopfte Pflanzenzunächst gar nicht oder nur sehr schwachJunge Wurzeln reagieren empfindlich auf hohe Salzspitzen.

So wenden Sie den Dünger richtig an

Verdünnen und gießen in vier Schritten

  1. Flüssigkeit abziehen

    Ziehen Sie den Saft über den Ablasshahn am Eimerboden ab, bevor sich zu viel davon ansammelt. Ein voller Auffangbereich behindert die Fermentation.

  2. Stark verdünnen

    Mischen Sie einen kleinen Anteil Dünger mit viel Wasser. Verdünnen Sie lieber schwächer als zu kräftig und wiederholen Sie die Gabe später.

  3. Auf feuchte Erde gießen

    Gießen Sie die Mischung auf bereits angefeuchtetes Substrat, nicht auf ausgetrocknete Töpfe. So verteilen sich die Nährstoffe im Wurzelraum.

  4. Reste kühl lagern

    Bewahren Sie übrig gebliebenen Saft kühl und dunkel auf und verbrauchen Sie ihn zügig. Entweichende Gase brauchen etwas Luft, deshalb nicht randvoll verschließen.

Grenzen und häufige Fehler

Organische Flüssigdünger sind keine exakte Wissenschaft: Ohne Analyse wissen Sie nie genau, wie viel Stickstoff, Phosphor und Kalium in Ihrer Charge stecken. Wer seine Pflanzen zuverlässig versorgen will, sollte deshalb ergänzend einen Dünger mit deklarierter Nährstoffangabe verwenden. Wichtig ist außerdem die Jahreszeit: In der lichtarmen Zeit brauchen die meisten Zimmerpflanzen kaum Nährstoffe, eine Düngung im Winter bringt wenig und belastet das Substrat. Details zur Dosierung und zum Zeitpunkt stehen im Ratgeber Flüssigdünger richtig anwenden.

Ein weiterer Punkt ist die Hygiene. Flüssigdünger aus Küchenabfällen kann bei unsachgemäßer Lagerung kippen und riechen; dann gehört er nicht mehr ins Gießwasser. Wie Sie Gerüche vermeiden, zeigt der Ratgeber Geruchlos kompostieren. Einen Überblick über fertige Produkte und ihre Einsatzgebiete bietet die Kategorie Flüssigdünger & Pflanzennahrung.

Quellen

  1. Organische Düngung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), abgerufen am
  2. organischer Dünger, Universität Hamburg, Sign-Lang (GALEX), abgerufen am
  3. Organische Rasendünger im Test: Nur vier Dünger sind empfehlenswert, ÖKO-TEST, abgerufen am

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